Lebenswert: Die neue Kolumne von Sascha Lebemann – Frankfurter Treue

12 Posted by - 20. November 2016 - KOLUMNE, NEWS

Clubs kommen – Besucher gehen. Am 19.11. öffnete der Frankfurter Röderberg seine Tore. Oder besser seine Schleuse zum Tunnel in den roh-anmutenden Beton Bunker. Genau das, was die Frankfurter Szene „braucht“. Oder besser will! Aber für wie lange, könnte man sich fragen. Möchte man sich gar nicht fragen. Doch was passiert bei uns in den letzten Jahren, wenn ein neues Projekt ein her hält? Es ging los mit der Schließung des U60311. Cocoon Club und Monza folgten. Damit verlor unsrere Techno-Kultur Stadt tatsächlich weltbekannte Institutionen.

Was passierte danach?

Das Monza diente als Off-Location und wurde aufs wesentliche reduziert. ein guter Ansatz. Mit der Installation einer Funktion One Anlage war die Location bis zur endgültigen Schließung noch mal ein beliebter Anlaufpunkt. Das dies nur temporär sein würde, war jedoch klar.

Das U60311 hat es aufgrund des tragischen Vorfalls nicht geschafft, den Club zu erhalten. Dem Cocoon ging dies aus finanziellen Gründen so. Zwar war der Traum Tempel von Sven Väth ein wunderschöner Club und die „realen“ Partys mit Chris Liebing, Ricardo Villalobos oder dem Papa selbst für viele Jahre wirklich ein Traum. Doch tummelten sich dort auch immer ein großer Anteil an VIP-strebenden Hemd- und Schlipsträgern, die dann irgendwie auch nicht zu den ekastatisch-sein wollenden Ravern passten…

Und auch hier blieben die Gäste irgendwann aus.

Als einzige, die sich entweder immer erhielten oder stetig weiter entwickelten und etablierten, sind da „nur“ noch im einen Fall das Robert Johnson, im andern das Tanzhaus West zu nennen. Das Robert genießt weiterhin seinen Kultstatus, allerdings auf eine gewisse Kapazität begrenzt, das Tanzhaus West hat sich in den letzten Jahren nach ewiger Zugehörigkeit zur Frankfurter Club-Szene weit an die Spitze abgesetzt. Nicht zuletzt wegen der vielen Räume und des angenehmen Fabrik-Flairs. Das MTW in Offenbach punktet seit der Übernahme durch die alte MOVE-Crew mit toller neuer Anlage und hochwertigen Bookings.

Doch wie ist es um die Treue der Besucher bestellt?

Es gibt nur wenige Veranstaltungen, die man nennen kann, die wirklich herausragend sind. Da wären die Electric Grooves im Tanzhaus West mit einer hervorragenden Entwicklung. Die MOVE als erste Frankfuter Kult-Techno-Reihe seit 6 Jahren, abgelöst vor 2 Jahren von der Str8 im MTW. Dann vielleicht die beliebten Hotel Digital / Katermukke Nächte im Tanzhaus, wo sich die meisten Besucher überhaupt bei einer Abend-Veranstaltung ein finden. Das war´s. Den Sommer und seine Open Air´s lassen wir jetzt mal außen vor, das wäre ein eigener Artikel. Klar. Es gibt noch viele, viele, viele, viele andere gute Frankfurter Partys, egal, ob 100 oder 1000 Menschen. Doch können die sich leider meist nicht all zu lange halten. Oder werden von Veranstaltern betrieben, die ihr eigenes verdientes Geld dafür investieren, ohne Erwartung auf Profit. Das ist auch wunderbar.

Nur leider ist auch zu beobachten, das viele sich nicht „halten“ können, weil nach einer anfänglichen Neugierde die Anzahl der Besucher rasant abnimmt. Siehe Monophonia. Sie Frühsport oder Clubs wie Freiheit 2112. Vielleicht lag es in dem Fall am Namen oder einem falschen Konzept. Oder aber auch an den ausbleibenden Gästen, denn das war zumindest der Tenor von einigen, die dort waren und es (eigentlich) gut fanden.

Frankfurter Club Politik

Sind wir einfach nur anspruchsvoll? Oder bekommen die Veranstalter bzw. Macher es nicht hin? Wird es uns auch zu schwer von der Stadt gemacht? (Sicher!) Oder reicht uns einfach, was wir haben????? Also mir schon. Regelmäßige Bookings wie Dominik Eulberg, Stephan Bodzin, Klaudia Gawlas oder auch mal Len Faki sollten doch genügen. Aber die ganz „Großen“ bleiben aus. „Früher“ haben Carl Cox, Sven Väth und Chris Liebing noch an einem Abend (!) im U60 gespielt. Und das gerne. Was ist also passiert? Sind wirklich so viele nach Berlin ab gewandert??? Vielleicht. Damit beschäftigen wir uns übrigens in einem ganz eigenen, anderen Bericht.

Wenn Richie oder Sven mal spielen, dann im ´Robert`. Da gehen aber nur paar hundert Leute rein. Ein paar Tausend würden gerne, aber ohne Gästeliste ist keiner so blöd es überhaupt erst zu versuchen. Ich war mal im Robert. Einmal. Es war echt cool. Der Sound Hammer. Ein Vibe wie im Tanzhaus oder selbst im MTW kam aber nicht bei mir auf.

Frankfurt hat sich noch nicht erholt. Warum? Was denkt ihr dazu.. Es ist bei uns irgendwie ein bisschen wie in der Politik. Ein paar regieren, die wollen, können nicht oder haben auch kein Geld und wenn, kommen nicht genug Besucher. Am End…geben wir uns aber auch zufrieden mit dem was wir haben, sind ruhiger geworden und genießen das eine Mal im Monat auf der Party unserer Wahl – ganz egal, in welchem Club. Feiert schön. Und bewusst.

Dem Röderberg wünschen wir jedenfalls das Beste und ein langes, schönes Leben.
Frankfurt stirbt nie.

Sascha Lebemann

 

1 Comment

  • Mario Brendel 4. Dezember 2016 - 21:11 Reply

    Sollen Sie doch nach Berlin gehen….die Frankfurter Szene hat genug top Leute die geile Mucke machen! Mal abgesehen von Dir selbst

    Frank Leicher….Kann ich wärmsten empfehlen!!!!

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